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Mittelstand fordert gesundheitspolitischen Klimawandel

21.09.2012 | Humanmedizin

Dr. Schwab überzeugt sich bei KARL STORZ von hohen Sicherheitsstandards

Tuttlingen 21.09.2012, Medizinprodukte helfen täglich Tausenden Patienten in der geübten Hand von Fachärzten. Die Errungenschaften der heutigen Medizintechnik sind aus dem medizinischen Alltag nicht wegzudenken. Dennoch sehen sich viele Medizinproduktehersteller massiv unter politischem Druck und sehen die Leistungsfähigkeit der mittelständisch geprägten Branche in Frage gestellt.
Dr. Andreas Schwab, CDU-Europaabgeordneter für Südbaden folgte gern einer Einladung von Dr. h. c. mult. Sybill Storz, sich vor Ort ein Bild von einem der weltweit führenden Unternehmen der Branche zu machen. „Wenn nach den neuesten Zahlen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen nur 0,2 Prozent der medizinischen Behandlungsfehler auf fehlerhafte Medizinprodukte zurückzuführen sind, dann ist die andauernde Diskussion über härtere Zulassungsregeln für Medizinprodukte nicht nachzuvollziehen,“ so Dr. Sybill Storz. Die EU-Kommission in Brüssel wird nächste Woche dem EU-Parlament den Entwurf der überarbeiteten Medical Device Directive vorlegen. KARL STORZ bietet eine breite Palette an Produkten vom Instrument bis hin zu komplett ausgestatteten OP-Sälen für die Minimal-invasive Chirurgie an. Endoskope sind die Spezialität, für die das Tuttlinger Unternehmen weltweit Maßstäbe setzt.

Der Europaabgeordnete zu Besuch bei KARL STORZ (v.l.n.r. Dr. Andreas Schwab (MdEP), Dr. h. c. mult. Sybill Storz und Dr. Martin Leonhard)

Ursache für die anhaltende Diskussion über verschärfte Marktzugangs- und überwachungsregelungen ist der kriminelle Brustimplantat-Skandal, der von einem französischen Unternehmen ausging. Nach wie vor diskutiert auch der Bundestag über dieses Thema und es entsteht der Eindruck, dass Patienten um ihre Sicherheit fürchten müssen. „Das Gegenteil ist der Fall, die Erhebungen zeigen, dass Medizinprodukte sicher sind“, so Dr. Tobias Weiler Geschäftsführer des Industrieverbands Spectaris aus Berlin, der die Notwendigkeit des Dialogs zwischen Medizintechnikunternehmen und der Politik unterstreicht. „Wir fordern für unsere mittelständisch geprägte Branche ein faires Klima, mit der Angst von Patienten zu spielen, ist nicht sachgerecht“, so Dr. Martin Leonhard, der seit kurzem stellvertretender Vorsitzender des Fachverbands Medizintechnik bei Spectaris ist und dort das Tuttlinger Unternehmen KARL STORZ vertritt. Das regulatorische System für Medizinprodukte habe sich seit über 15 Jahren bewährt, es weiterzuentwickeln sei sinnvoll, neue Innovationshürden aufzubauen, ohne dass Patienten hiervon profitieren, schade dem bisher starken Medizintechnikstandort.
„Bevor über schärfere Marktzugangsregeln gesprochen wird, sollten andere Länder die in Deutschland zum Teil strengeren Regeln übernehmen“, ergänzt Dr. Klaus Irion, verantwortlich für Forschung und Technologie bei KARL STORZ. So trägt in Deutschland ein nach dem deutschen Medizinproduktegesetz geforderter Sicherheitsbeauftragter persönlich Verantwortung in Medizintechnikunternehmen hinsichtlich kritischer Vorfälle und systematischer Unregelmäßigkeiten. Eine derartige Person ist z.B. nach französischem Recht nicht gefordert.
Verschärfungen beim Marktzugang hält auch Dr. Andreas Schwab (MdEP) nicht für angebracht. „Das Ganze ist ein Problem der Kontrolle“, so Schwab, denn die Silikon-Implantate seien bei der Markteinführung bereits einmal ohne Beanstandungen geprüft worden. Er plädiere deshalb für eine intensivere Umsetzung des bestehenden Rechtsrahmens sowie für eine Verstärkung der unangemeldeten Kontrollen. „Wir werden uns auch dafür einsetzen, dass die Kontrollorgane, wie etwa der TÜV, europaweit auf einem gleich hohen Qualitätsniveau arbeiten. Dafür werde ich mich im Europäischen Parlament stark machen“, so Schwab abschließend.