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Gute Noten sind nicht alles

26.10.2006 | Unternehmen

Endoskopieren bei Storz macht Spaß. Und vielleicht wird ja mal mehr daraus. Stefan Ahlhaus, Personalchef des führenden Medizintechnik Unternehmens (Dritter v. links) war am Stand dabei und sichtete schon mal potentielle Mitarbeiter. Bild: R. Trautwein

Personalchefs achten auch auf soziale Kompetenz von Ralf Trautwein

Ein Studium an der Hochschule Furtwangen ist die beste Grundlage für die Zukunft - das zeigte sich gestern einmal mehr beim 'Career Day' im Zuge des 7. Schwenninger Industrietags, wo sich die Personalchefs der Region regelmäßig ein Stelldichein geben.

Schwenningen – Ein Studium an der Hochschule Furtwangen ist die beste Grundlage für die Zukunft – das zeigte sich gestern einmal mehr beim 'Career Day' im Zuge des 7. Schwenninger Industrietags, wo sich die Personalchefs der Region regelmäßig ein Stelldichein geben. Vor allem Ingenieure sind auf dem Arbeitsmarkt derzeit heiß begehrt; die Unternehmen wollen die Studenten am liebsten schon als Praktikanten oder wenigstens als Diplomanden ins Boot holen, um sie zu testen und später als Mitarbeiter an sich zu binden. Doch nehmen die Unternehmen wirklich jeden? Wie sehen die Anforderungen aus, die sie im einzelnen an Bewerber stellen?

"1,0-Kandidaten müssen es nicht sein", aber sie sollten schon etwas nachweisen können - entweder von den Noten her, oder aber von der Persönlichkeit. Ganz groß geschrieben wird bei uns auch die Kommunikationsfähigkeit, weil wir interdisziplinär arbeiten" - Viktor Steiner vom Schwenninger Drehgeberhersteller Fritz Kübler GmbH hat da klare Vorstellungen. Mit der Resonanz von Studierenden und Schülern war er gestern sehr zufrieden: "Wir sprechen eine sehr große Bandbreite an Studienrichtungen an.' In erster Linie will auch Kübler Ingenieure verpflichten, doch auch für Betriebswirte hat das international tätige Unternehmen Verwendung.

Wilfried Biallas, kaufmännischer Ausbildungsleiter bei Aesculap, sucht in Schwenningen Maschinenbau-Studenten, die mit "sehr guter Fachkompetenz" ausgestattet sind. Daher schaut er schon mal auf die Noten. Doch auch Persönlichkeitsmerkmale wie Engagement oder Teamfähigkeit sind dem Personaler wichtig. Auch im technischen Bereich ist eine Eigenschaft zunehmend jobentscheidend: Weltoffenheit. "Einsätze im Ausland gehören bei uns zwar nicht für jeden zum Arbeitsalltag, sind allerdings für viele unserer Mitarbeiter Bestandteil ihres Berufslebens geworden", erklärt Biallas.

In den letzten Jahren hat Aesculap seinen Personalstamm stetig ausgebaut, mit Ingenieuren wie auch mit Betriebswirten. Rund 70 Prozent der neuen Mitarbeiter werden aus ehemaligen Praktikanten und Diplomanden rekrutiert, von denen das Medizintechnikunternehmen pro Jahr 80 bis 100 im Haus hat. Dabei macht Biallas zwischen Bewerbern mit dem "klassischen" deutschen Diplom und dem neuen Bachelor-Titel keinen Unterschied - in zwei Jahren (wenn sämtliche Diplomstudiengänge ausgelaufen sein werden), stelle sich die Frage ohnehin nicht mehr.

Auch beim anderen großen Tuttlinger Unternehmen KARL STORZ schwört man auf Schwenninger Studenten als Mitarbeiter, wie Personalchef Stefan Ahlhaus bestätigt. Gerne stellt er Leute ein, die soziale Kompetenz mitbringen - das sei noch wichtiger als Zeugnisse, wenngleich man natürlich zunächst auf die Note schaue. Viele Erkenntnisse liefert dem erfahrenen Personalfachmann schon das Anschreiben einer Bewerbung: "Man sieht daran, ob sich der Absender Mühe damit gemacht hat oder nicht." Letztendlich entscheide dann die Persönlichkeit des Job-Kandidaten.

Quelle: Neckarquelle, Donnerstag 26. Oktober 2006 / Nr. 248